21 Pistolen
Durch einen mehr als glücklichen Zufall gehörte ich zu den rund 2.000 menschlichen Wesen, denen am Wochenende Einlass ins Kölner E-Werk gewährt wurde. Dort wartete Green Day auf die Meute und spielte ein sogenanntens 1LIVE-Radiokonzert. Komisch nur, dass dieses Konzert nicht im Radio übertragen wurde. War das früher auch so? Egal.
Nach Betreten der Halle war der erste Gedanke: „Uff, das sind aber noch ganz schön viele Menschen bis zum vorderen Bereich der Bühne“. Der zweite Gedanke war dann aber: „Uff, ich steh ja schon in der fünften Reihe - das ist aber eine ganz schön große Bühne“. Scheinbar sind die Jungs mittlerweile so sehr an große Arenen gewöhnt, dass sie es gar nicht mehr schaffen ihre Bühne den örtlichen Gegebenheiten anzupassen - sie nahm nämlich ca. die Hälfte der gesamten Fläche des Raumes ein! Auf den zweiten Blick war dies dann aber gerechtfertigt - es standen nämlich auch gefühlte 2.000 Instrumente dort rum.
Punkt 21:00 Uhr ging es dann also los. Zunächst spielten sie rund eine Stunde lang nur Lieder von der neuen Platte. Und da sind echte Sahnestücke dabei! Irgendwas mit „Whiskey“, das Comeback der Schweineorgel, ein Song mit „Run, 21 guns!“ im Refrain und das good old Saxophon sind nur vier Dinge, die ich mir merken konnte. Vor allem der 21-Guns-Song hatte es mir live extrem angetan. Die erste Hälfte war noch etwas fad, aber irgendwann stieg der Staun-Faktor ganz weit nach oben. Ja, dieses Album könnte vielleicht sogar meinen persönlichen Favoriten „nimrod“ vom Thron stoßen.
Nach diesem exklusiven Pre-Listening (bei dem übrigens das Publikum leider nicht so richtig mitging) stiegen sie dann kurz von der Bühne und kamen mit einem sehr energiegeladenen Zugabe-Block zurück. Jetzt spielten sie sie nämlich endlich - all die Klassiker, die auf keinem Green Day Konzert fehlen durften. Wenn ich mich recht erinnere war die Abfolge „American Idiot“, „Jesus of Suburbia“, „Longview“, „She“, „Basket Case“, „King for a day“ und „Minority“. Jetzt war auch im Publikum endlich der Funke übergesprungen und es ging zumindest in einem kleinen Teil vor der Bühne ordentlich zur Sache. Green-Day-typisch wurde auch das Publikum wieder mit in die Show einbezogen. Zwar wurde diesmal niemand an Schlagzeug, Gitarre und Bass gelassen, aber dafür direkt ans Mikrofon. Fantastisch!
Man hat den gesamten Abend über gemerkt, dass ein reines Gewinner- und Presse-Publikum anwesend war. Ich konnte ca. 85% der Besucher über die Köpfe schauen und viele Gestalten waren irgendwie merkwürdig gekleidet - man könnte es überspitzt als „Abendgarderobe“ bezeichnen. Spaß hat es aber trotzdem gemacht, denn ein paar typische Konzertgänger waren glücklicherweise auch am Start.
Die Band stand übrigens fast das gesamte Konzert über mit mindestens sechs Leuten auf der Bühne. Dies zeigt ziemlich deutlich, wie sehr sie sich musikalisch entwickelt haben - zum positiven! So nah wird man vermutlich auch nie wieder an die Kerle rankommen, das war schon was ziemlich besonderes. Schade war, dass es keinerlei Merch zu kaufen gab. Wahrscheinlich sind die neuen Sachen erst im Oktober fertig. Was bleibt ist ein unvergesslicher Abend, für den man sich wohl artig bei 1LIVE bedanken muss. Habt ihr gut gemacht. Aber Radiohörer werde ich deswegen trotzdem nicht.