Kompott

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Dec 9

Worte zu den Aasgeiern

So, 24 Stunden später kann ich jetzt ja endlich mal was schreiben. Ich war gestern bei „Them Crooked Vultures” im Kölner Palladium und es war schlicht grandios.

Von der Vorband habe ich (zum Glück?) nichts mitbekommen, aber ich war ja ohnehin wegen den vier anderen Typen auf der Bühne da. Die stiegen also irgendwann empor und wurden zunächst mal mit frenetischem Jubel willkommen geheißen. Dann legten sie auch gleich los mit „No One Loves Me & Neither Do”. Der jetzt schon legendäre Umschwung bei 2:44 kam live dann noch viel heftiger rüber als in der aufgenommenen Version. Überhaupt: Live wirkten alle Songs nochmal viel intensiver als auf dem Album und drohten einen jederzeit aus den Socken zu ziehen. Die Spiellänge der Stücke war gefühlt etwa doppelt so lang wie auf der Platte - allerdings nicht auf diese langweilige „Jetzt-hör-mal-auf-dich-so-hinzuziehen”-Art sondern immer knüppelhart nach vorne gerockt. Ich weiß nicht mehr bei welchem Lied, aber irgendwann hatte Dave Grohl so heftig auf sein Schlagzeug eingedroschen, dass ich dachte er würde jetzt jederzeit durch die Bühne brechen und sich auf’s harte Pflaster legen (und selbst dann hätte er wahrscheinlich einfach weiter draufgehauen). Das war einer der vielen Momente, in denen man den Jungs die unglaubliche Spiellaune enorm angemerkt hat.

Zu den für mich emotionalsten Stücken gehörten dann noch „Elephant” (in doppelter Geschwindigkeit oder so), „Gunman” (wirkt auch ohne das Elektrozeug), „Caligulove” (spätestens hier sollte die Energie der Bühne auf jeden im Publikum übergeschwappt sein) und „Spinning in Daffodiles”. Bei fast jedem Song habe ich im Anschluss beinahe das Jubeln vergessen, weil meine Kinnlade noch damit beschäftigt war so tief wie möglich runter zu klappen. Es war wie ein einziger musikalischer Rausch - die Herren haben wirklich richtig Gas gegeben. Sehr erwähnenswert waren dann auch noch die Duelle, die sich John Paul Jones und Josh Homme regelmäßig geliefert haben. Natürlich war Homme eigentlich immer der Sieger, weil er einfach ne verzerrte Gitarre und keinen langweiligen Bass in den Händen hielt, aber Paul Jones konnte ihm irgendwie immer wieder was entgegensetzen. Jetzt weiß ich auch, was Dave Grohl in seinem VISIONS-Interview meinte, als er sagte dass er sich diese Duelle so gerne von hinten anschaut. Von vorne sind sie auch ganz nett.

Erstaunlicherweise bekam John Paul Jones dann auch den meisten Applaus - den hätte ich doch eher bei Dave Grohl erwartet. Aber da das Publikum sehr durchgemischt war, konnte man damit auch irgendwie rechnen. Für 45 € ein Viertel von Led Zeppelin zu sehen kam wohl doch so einigen Leuten gelegen. Nächstes Mal würde ich auch 90 € ausgeben - das war durchaus eines der besten Konzerte, die ich rein musikalisch je erlebt habe. Und das trotz Palladium.


Senf
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